Wohngefährten Oberkassel

 

Wer wir sind und welche Vision wir vom gemeinschaftlichen Wohnen haben

Wir sind rund 30 Menschen, die in verbindender Nachbarschaft zusammenwohnen möchten. Wir sind alt und jung, Paare, Singles, Alleinerziehende, mit und ohne Kinder, im Job, im Kindergarten, in Rente oder im Ehrenamt: Wir bringen ganz unterschiedliche berufliche Hintergründe und Erfahrungen mit – vom Ingenieur bis zur Tanztherapeutin verbindet uns der Wunsch nach einer gemeinschaftlichen Gestaltung unseres Alltags. Viele von uns engagieren sich beruflich und privat in sozialen und ökologischen Initiativen. Dieses Engagement möchten wir auch in unser Wohnumfeld einbringen, in dem wir uns in verschiedenen Lebenslagen und Altersgruppen gegenseitig unter die Arme greifen können.

Wir wollen in einer aktiven Gemeinschaft verschiedener Generationen unser Leben teilen und Gemeinschaft gestalten. Drinnen und draußen wollen wir Platz für gemeinsames Tun und Reden schaffen, uns gegenseitig bereichern und im Alltag unterstützen. Wir wollen uns bei gemeinsamen Aktivitäten und beim gemeinsamen Wohnen kennenlernen und dabei zwanglos eine lebendige Gemeinschaft entwickeln.

Wir wünschen uns, dass unsere Gemeinschaft auch positiv in die Nachbarschaft ausstrahlt. Gerne möchten wir z. B. Anlässe und Räume für Veranstaltungen schaffen. Wir erkennen an, dass wir alle unterschiedlich sind und sich jede Person auf seine/ihre Weise einbringt.

Genauso selbstverständlich ist für uns auch das Recht auf Privatleben und Rückzug: Jede Partei wird in einer eigenen voll ausgestatteten Wohnung leben. Wir werden Geräte und Investitionen gemeinschaftlich nutzen – dazu gehören zum Beispiel Carsharing und ein gemeinsamer Waschraum. Es gibt viele Möglichkeiten, Ressourcen zu teilen, denn wer braucht nicht mal schnelle Hilfe, wie z.B. einen Babysitter für zwei Stunden, einen Tipp, wie ein Computerprogramm funktioniert, oder eine Bohrmaschine? Der Wunsch, uns gesund zu ernähren, soll auch über einen Gemüsegarten umgesetzt werden.
Unser Haus soll soweit möglich aus gesunden und biologisch verträglichen Materialien bestehen. Wir wollen das Leben im Austausch und im Geben und Nehmen genießen – mit Freude und Leichtigkeit.

 

Wo wir herkommen

Der Verein „Wohngefährten Bonn e.V.“ wurde 2013 gegründet (s. hierzu auch das Kapitel Wohngefährten e.V.). Aus diesem Verein heraus hat sich unsere Wohnprojektgruppe gebildet, die seit einigen Jahren ein konkretes Wohnprojekt in Bonn-Oberkassel plant und realisiert ( -> zu den konkreten Planungsschritten).

In den Anfangsjahren planten wir zusammen mit anderen Wohnprojekten auf dem Gelände der ehemaligen Ermekeilkaserne in der Bonner Südstadt einen Neubau zu errichten. Wir haben uns aktiv in die Diskussion um die Nutzung und Gestaltung des Ermekeilkarrees in der Bonner Südstadt eingebracht, zusammen mit anderen Wohnprojekten eine Vision zur Nutzung entwickelt und sie öffentlich diskutiert. Da das Gelände der Ermekeilkaserne schließlich anderweitig genutzt wurde, haben wir die Suche nach geeigneten Gebäuden oder Grundstücken auf Bonn ausgeweitet und sind schließlich in Bonn-Oberkassel fündig geworden.

Seit Juli 2018 sind wir Eigentümer eines Grundstücks in Bonn-Oberkassel. Es gibt hier zwei alte Bestandsgebäude, die unter Denkmalschutz stehen und renoviert werden und wir planen zwei Neubauten zu errichten. Eine große Gartenfläche lädt zum Verweilen, Spielen, zu nachbarschaftlichen Treffen und dem Anbau von Kräutern, Obst und Gemüse ein. Mit der Renovierung der bestehenden Gebäude und den Neubauten schaffen wir einladende Räume und Außenflächen. Unsere Häuser sollen möglichst energiesparend, baubiologisch gesund und barrierefrei sein.

 

Nachbarschaft mitgestalten

Wir freuen uns auf unsere neue Wahlheimat Oberkassel, den wunderschönen Ort zwischen Rhein und Siebengebirge mit seinen gewachsenen Strukturen und Traditionen, und die Oberkasselerinnen und Oberkasseler. Wir möchten uns als Wohnprojekt integrieren und mit unseren Nachbar*innen ins Gespräch kommen und verstehen, was wir als Gruppe zu einer lebendigen Nachbarschaft beitragen können. Wir möchten unser neues Zuhause auch für Veranstaltungen mit kultureller Ausrichtung öffnen und damit einen Begegnungsraum im Quartier anbieten. Für Fragen und Anregungen aus der Nachbarschaft stehen wir gerne unter der Mailadresse info@wohngefaehrten-bonn.de zur Verfügung.

 

Wie wir unser Vorhaben realisieren

Inzwischen sind wir rund 30 Personen, die gemeinsam ein Konzept zum aktiven Zusammenwohnen entwickelt haben und in die Tat umsetzen. Die Kerngruppe trifft sich alle zwei Wochen zu einem längeren intensiven Arbeitstreffen. Dort besprechen wir aktuelle Fragen, planen nächste Schritte, entwickeln Ideen, verteilen Verantwortlichkeiten und fällen Entscheidungen für die Gruppe. Unsere Plenumssitzungen moderieren wir im Wechsel und dokumentieren sie sorgfältig. Neben der Kern-Arbeit gibt es auch immer etwas Leckeres zu essen und parallel dazu betreuen wir unsere Kinder gemeinsam.. Zudem haben wir Arbeitsgruppen zu finanziellen und rechtlichen Fragen und zu Architektur- und Gemeinschaftsthemen. Jede Arbeitsgruppe bringt ihre Entscheidungsvorlagen in die Arbeitstreffen ein. Eine digitale Kommunikationsplattform hilft uns dabei, den Überblick zu behalten und uns mit relevanten Informationen zu versorgen.

Wir haben klare Regeln, wie wir miteinander kommunizieren und wie wir Entscheidungen treffen. Damit sind wir schnell handlungsfähig, wenn es beispielsweise darum geht, bauliche Fragen zu entscheiden. Zu unserem Selbstverständnis gehören Verbindlichkeit und wertschätzende Kommunikation. Wir gehen miteinander achtsam und mit Respekt um. Eine verantwortungsvolle Kommunikation bringt uns Vertrauen, Freude und Kreativität. Außerhalb unserer Arbeitstreffen unternehmen wir gemeinsame Wanderungen, gehen zusammen ins Theater, zu Konzerten oder treffen uns im Park zum Picknick.

 

Rechtsform

Wir haben in einem gemeinsamen Prozess mit externer Unterstützung ein detailliertes Rechts- und Finanzierungskonzept erarbeitet und uns entschieden, dass wir unser Projekt in der Form einer GmbH & Co. KG umsetzen. Diese Rechtsform gibt uns Sicherheit. Spekulative Anteilsverkäufe bleiben dabei vertraglich ausgeschlossen. Wir verbinden so die gemeinschaftsorientierten Prinzipien einer Genossenschaft mit der Möglichkeit individueller Alterssicherung. In unseren Gesellschaftervertrag haben wir unsere Visionen und Grundsätze zum gemeinschaftlichen Zusammenwohnen und solidarische Grundsätze aufgenommen.

 

Meilensteine von der Planung zur Realisierung

Im Oktober 2017 haben wir die „Wohngefährten Bonn GmbH & Co. KG“ als Rechtsträger für das Wohnprojekt gegründet.

Im Januar 2018 erwarben wir das Grundstück samt Bestandsgebäuden von der Evangelischen Kirchengemeinde Oberkassel. Im Wettbewerb mit anderen Interessierten hat sich die Evangelische Kirchengemeinde für unser Konzept und somit für uns als Käuferin entschieden. Unser Konzept beinhaltet das generationsübergreifende Wohnen mit 14 Wohneinheiten, die Sanierung von Kantor- und Gemeindehaus sowie die Errichtung von zwei Neubauten. Alle Mitglieder der GmbH & Co. KG werden in die unter Denkmalschutz stehenden Bestandsgebäude und Neubauten einziehen.

Im Januar 2018 haben wir das Grundstück mit den Bestandsgebäuden erworben. In den drei Jahren davor fanden zahlreiche Planungstreffen zwischen dem von uns beauftragten Architekturbüro dlx aus Dortmund, verschiedenen Behörden der Stadt Bonn (Bauordnungsamt, Denkmalschutzamt, Untere Naturschutzbehörde) und uns statt. Der von uns favorisierte Entwurf zur Anordnung der Neubauten in einem Ensemble mit den Bestandsgebäuden in L-Form war nicht genehmigungsfähig. Im Juli 2018 haben wir dann einen angepassten Bauantrag bei der Stadt Bonn eingereicht. Dieser sieht gemäß den baurechtlichen Vorgaben eine Straßenrandbebauung vor. Wir haben außerdem unser Bauvolumen reduziert, um aufgrund von Denkmalschutzbestimmungen regulierte Abstände zwischen den Bestandsgebäuden und den Neubauten einzuhalten.

Ende März 2019 haben wir die Baugenehmigung für 9 Wohneinheiten in zwei Neubauten erhalten.
Die ersten Bewohnerinnen und Bewohner ziehen Mitte 2019 in das ehemalige Kantorhaus ein. Das „Gemeindehaus“ wird voraussichtlich bis 2024 an die Evangelischen Kirchengemeinde vermietet und bis dahin als Kita genutzt.

Die Neubauten sollen ab Juli 2020 bezugsfertig sein.

Unsere Wohnungen sind mittlerweile alle belegt. Wir führen keine Warteliste für Interessierte, werden aber auf der unserer Webseite informieren, sollte es in Zukunft freie Wohnungen geben.

 

Chronologische Übersicht über Planungsschritte und Meilensteine des Projektes in Oberkassel

 

Unsere Sicht zum Thema „Bäume fällen“

Die Fällung der Platane hat für viel Öffentlichkeit gesorgt und unterschiedlichste Reaktionen und Emotionen hervorgerufen. Wir möchten unsere Perspektive darauf darstellen.

Zu den Fakten:
Die Baugenehmigung beinhaltet auch die Fällgenehmigung für eine Platane. Zum ersten vorgesehenen Fälltermin am 15.04.2019 wurden Stamm und Äste begutachtet. Da in einer Vergabelung ein (leeres) Nest gefunden wurde, haben wir die Fällung ausgesetzt und die Untere Naturschutzbehörde (UNB) informiert. Auf Maßgabe der UNB führte ein Baumdienst danach eine regelmäßige Beobachtung des Nestes und eine Gesamtbeobachtung des Baumes durch. Die UNB erhielt eine Dokumentation mit Fotos und Bericht. Am 25.04.2019 erteilte die Untere Naturschutzbehörde auf Grundlage der Dokumentation die Freigabe zur Fällung. Die Fällung fand am 29. und 30. April statt.

In den Planungsgesprächen mit den Fachfirmen für den Erdbau wurde deutlich, dass weitere Bäume aufgrund der Nähe zu den Häusern und der Schädigung der Wurzeln durch den Erdbau gefährdet sind. Die Empfehlung der Fachfirmen lautete, eine Fällgenehmigung für vier weitere Bäume zu beantragen. Die Bezirksvertretung Bonn hat eine Fällgenehmigung bereits grundsätzlich am 27. Januar 2016 (Beschlussvorlage 1610033) auf der Grundlage einer anderen Bauvoranfrage vom 9. November 2015 genehmigt. Wir haben eine Fachfirma für Baumpflege beauftragt zu untersuchen, wie die Kastanien durch besondere Sicherheits- und Erhaltungsmaßnahmen geschützt werden können. Sie hält es für möglich, dass dies durch eine fachkundliche Begleitung während der Bauphase, durch eine andere Positionierung der Krans und durch spezielle Schutzmaßnahmen der Wurzelsysteme realisiert werden kann. Diese Maßnahmen sind keine Garantie und bedeuten auch Mehrkosten. Gespräche mit der Unteren Naturschutzbehörde und einem Sachverständigen der Stadt Bonn zur weiteren Vorgehensweise laufen noch.

 

Was heißt für uns „ökologisch verantwortlich“ Handeln?

Wir wollen mit unserem Bauvorhaben einen Ort schaffen, in dem unsere Kinder glücklich und gesund aufwachsen und wir in einer nachhaltigen Gemeinschaft zusammenleben können. Dazu gehören für uns auch ökologische Themen. Viele von uns engagieren sich privat in ökologischen und sozialen Initiativen. Die Beantragung von Fällgenehmigungen sind uns nicht leicht gefallen. Mit unterschiedlichen Maßnahmen möchten wir die ökologischen Auswirkungen der Baumaßnahme kompensieren:

  • Wir versuchen, im Bauprozess so wenig wie möglich in die Baumsubstanz einzugreifen. So haben wir bei einem der Häuser von einer Unterkellerung abgesehen und einen Fachbetrieb für Baumpflege eingeschaltet, um die Bäume zu schützen.
  • Wir werden neue Bäume pflanzen und dafür sorgen, dass daraus gesunde Bäume werden. Dazu gibt es auch eine Auflage der Unteren Naturschutzbehörde, die kontrolliert werden wird.
  • Wir haben ein anspruchsvolles Mobilitätskonzept entwickelt, das als Teil unseres Bauantrags verbindlich ist. Dieses beinhaltet Carsharing und Elektromobilität. Wir werden mit weniger Autos pro Kopf als der Durchschnitt auskommen.
  • Wir haben uns für ein ökologisches Heiz- und Dämmsystem entschieden.
  • Unser Grünflächen werden ökologisch bewirtschaftet und gestaltet werden.

 

Kontakt

Wohngefährten GmbH & Co. KG
Richard Brand (Mitglied im Geschäftsführungsrat)
Tel: 0170 43 36 85 6
info@wohngefaehrten-bonn.de


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